Manchmal…

…wundere ich mich wirklich über Menschen und ihre – nennen wir es mal Ideale, weil mir momentan kein andere Begriff einfällt.

Besonders die heutige Jugend oder eher die jungen Erwachsenen schreien ja immer nach dem Recht der Privatspähre und Bewarung ihrer Daten. Sie wollen nicht, dass jeder einfach so an ihre Daten kommt oder alles über einen weiß.
Da frag ich mich dann aber, wieso wird alles bei Facebook, Twitter und co. veröffentlicht und wieso ist es ihnen egal, wenn sie die Daten anderer Menschen brauchen?
Man muss dazu wissen, wie ich jetzt überhaupt auf das Thema komme, denn diese Diskussion ist wahrscheinlich schon so alt, wie Facebook gegründet wurde. Zum einen gehöre ich selber der „Generation Internet“ an, zum anderen arbeite ich in einer Universitätsbibliothek und bekomme so das ein oder andere Szenario mit.

Folgende Szene: Es ist noch früh am Morgen, die Bibliothek hat gerade erst ihre Türen für Benutzer geöffnet, da kommt ein sehr jung aussehender Nutzer an die Auskunftstheke und schildert folgendes Problem: er benötige ein Buch, dass jedoch ausgeliehen ist. Ich schlage ihm vor, es sich vorzumerken, damit er eine Benachrichtigung bekommt, wenn das Buch zurückgegeben worden ist und er es sich ausleihen kann.
Da werde ich direkt angepflaumt, dass das nicht möglich wäre, da er das Buch in spätestens 5 Tagen brauch, da er in 10 Tagen seine Facharbeit abgeben muss und vorher noch damit arbeiten müsse.
Insgeheim wundere ich mich ein wenig darüber, wieso man sich nicht früh genug um die Literatur kümmert, die man für eine Facharbeit benötigt, aber das ist wahrscheinlich ein anderes Thema.
Ich schlage ihm vor, dass er ja eine Aufsatzfernleihe aufgeben kann, jedoch mit dem Risiko, dass der Aufsatz nicht mehr rechtzeitig ankommt, da es ja doch sehr knapp ist.
Nein, dass funktioniert natürlich auch nicht, da der Nutzer noch gar nicht weiß, welche Kapitel er brauch und überhaupt hätte er da kein Geld für (Fernleihen kosten 1,50EUR Bearbeitungsgebühren).
Tja, dann hat er wirklich ein Problem, denn da er anscheinend nicht mal 1,50EUR für die Fernleihe hat, wird er sich das Buch, dass „nur“ 14.99EUR kostet, nicht selbst kaufen können. Eine andere Alternative gibt es leider nicht, was ich ihm dann auch sage.
Und nun kommt der Hammer:
Er schlägt mir vor, ich könne ihm ja einfach die Daten (Name + Anschrift) desjenigen geben, der das Buch momentan zuhause hat, dann würde er sich darum kümmern, dass er sich das Buch mal kurz ausleihen kann.
Ich hab zuerst gedacht, ich hätte mich verhört, leider war es aber vollkommen ernst gemeint. Natürlich erkläre ich dem Nutzer, dass das aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht machbar ist, aber er will mir gar nicht zuhören. Sagt mir, ich solle mich nicht so anstellen, er braucht das Buch wirklich dringend und da könnte ich doch mal eine Ausnahme machen. Als ich ihn frage, wie er es denn finden würde, wenn ich seinen Name und Adresse einfach fremden Menschen geben würde, weil sie ein Buch brauchen, das er ausgeliehen hat, empört er sich mit den Worten „Das ist doch etwas ganz anderes!!“

So? Das seh ich irgendwie anders. Wo ist denn der Unterschied, ob ich seine Daten weiter gebe oder die Daten eines anderen?
Da er nach und nach richtig wütend wurde, habe ich ihn schließlich an die Abteilungsleiterin weiterverwiesen, die ihm schlußendlich klar machen konnte, dass wir definitiv nicht auf seinen Vorschlag eingehen können. Er ist wutschnaubend abgedampft und ich bleibe mit der Frage zurück, was denn bitte mit der heutigen Jugend falsch läuft. Und fühle mich gleichzeitig steinalt, da ich mit 20 schon „die heutige Jugend“ denke.

3 Gedanken zu “Manchmal…

  1. Also: Die Seite und die Lösung der ersten Aufgaben finde ich sehr gut gelungen.
    Und zum Thema: Vielleicht tröstet es ja, aber solche Erfahrungen habe ich auch schon gemacht. „Welcher Prof hat das Buch denn? Ich sag dann einfach, ich hätte es mir denken können.“ Bei uns müssen die Emailadressen selbst nach der Anmeldung eingetragen werden; es wird gesagt, es gibt Flyer und jedes Mal wird darauf hingewiesen, falls sie noch fehlt. Meist wird es aber vergessen, oder es kommen Kommentare wie „Ich gebe meine Mailadresse doch nicht jedem?“ Hallo, wer sind wir denn. Nein, wir verkaufen keine Adressen und verschicken keine Spams oder Trojaner, versprochen. Aber dann liest man von Facebookparties oder Jugendlichen, die im Chatt sorglos ihre Anschrift herausgeben. Aber das Geschrei bei den ersten Gebühren ist um so größer. „Ich habe keine mail bekommen!“ ja, wie denn auch. Ich glaube, dass viele nicht mehr merken, wie sensibel persönliche Daten sein können. Aber was sollen wir in der Bibliothek noch alles leisten? Gute und höfliche Umgangsformen, Wortschatzerweiterung … Jede/r weiß wahrscheinlich, wovon ich schreibe

    • Ja, ich habe schon von vielen gehört, dass es wohl in allen Bibs irgendwie ähnlich läuft, aber man muss sich trotzdem immer wieder an den Kopf packen. Manchmal finde ich es richtig schwierig, dann noch nett, freundlich und hilfsbereit zu bleiben. Aber leider geht es im Dienstleistungssektor nicht anders.

  2. Ich kenne so ähnliche Situationen…habe immer wieder das Problem, dass die Benutzer nicht verstehen, das ihre Ausweise nicht auf andere übertragbar sind. Manchmal denke ich dann an mein eigenes Verhalten z.B. im Geschäft. Wenn da bestimmte Regeln einzuhalten sind, dann nehme ich das auch so hin.

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